Wir über uns

Die Windenergie leistet einen entscheidenden Beitrag zur Energiewende in unserem Land. Dennoch gibt es viele Unklarheiten, Unwissenheit und Ängste bei den Bürgerinnen und Bürgern zu diesem Thema.

Der Bundesverband Windenergie (BWE), das Thüringer Erneuerbare Energien Netzwerk (ThEEN) und die Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur (ThEGA) haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam mit ihren Partnern über die Nutzung der Windenergie zu informieren, getreu dem Motto „THÜRINGEN - Unser Wind. Unsere Energie.“. Wir wollen die Akzeptanz für diese Erneuerbare Energieform in Thüringen stärken, Vorurteile beseitigen und zu verschiedenen Themenbereichen aufklären.

Denn eines ist sicher: Eine CO2-neutrale Energieversorgung wird ohne Windenergie nicht funktionieren.

Aktuelle Themen

Flaute im Windpark - Energiewende in Gefahr

"Exakt - Die Story" nimmt die wachsenden gesellschaftlichen Konflikte rund um die Windenergie in den Blick und fragt nach, was deren Zuspitzung für die Energiewende in Thüringen bedeutet.
Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK


10 Punkte für den Ausbau der Windenergie

Vorschläge zur Gewährleistung von Flächenverfügbarkeit, Handhabbarkeit naturschutzrechtlicher Vorgaben und Stärkung vor Ort

In ihrem Koalitionsvertrag 2018 haben sich CDU, CSU und SPD auf eine Erhöhung des Aus-bauziels für Erneuerbare Energien auf 65 Prozent bis 2030 geeinigt. Das ist kein fakultatives Ziel, der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist eine klima- und energiepolitische Notwendig-keit.

Die Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ empfiehlt in ihrem Ab-schlussbericht das 65-Prozent-Ziel als notwendige Maßnahme zur schrittweisen Reduktion der Kohleverstromung. Der Monitoringbericht des Bundeswirtschaftsministers zur Versor-gungssicherheit sieht für den Erhalt der Versorgungssicherheit ebenfalls die 65 Prozent Er-neuerbare Energien bis 2030 als unabdingbar. Und auch die Übertragungsnetzbetreiber ha-ben ihre Netzausbauplanung bereits auf die Zielerhöhung ausgelegt. Die Energiewirtschaft und die Anlagenhersteller stecken in den Startlöchern, um zu investieren. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist landschafts- und naturverträglich realisierbar. Dafür braucht es jetzt die richtigen Rahmenbedingungen.

Die 65 Prozent Erneuerbare Energien sind nicht ohne den forcierten Ausbau von PV-Dach- und PV-Freifläche, Windenergie auf See und Wind an Land möglich. Die Windenergie an Land bleibt weiterhin das Last- und Zugpferd der Energiewende. Doch gegenwärtig lahmt der Ausbau der Windenergie an Land. Die letzten vier Ausschreibungsrunden waren deutlich unterzeichnet. Damit bleibt der Ausbau sogar hinter dem Status quo des Ausbaupfades im EEG 2017 zurück – und weit entfernt von einem Ausbaupfad hin zu 65 Prozent Erneuerbare Energien.

Es braucht ein klares Bekenntnis der Bundesregierung, des Deutschen Bundestages und der Bundesländer zum Klimaschutz und damit zum Ausbau der Erneuerbaren Energien. Diesem Bekenntnis muss die Umsetzung von konkreten Maßnahmen für mehr Genehmigungen von Windenergieprojekten an Land folgen. Politische Entscheidungsträger auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene müssen sich gemeinsam mit der Branche Akzeptanzfragen stellen und aktiv für die Notwendigkeit der Nutzung der Windenergie an Land als Beitrag zum Klima-schutz werben. Der Austausch zwischen Bund und Ländern zur Koordination der Energie-wende sollte auch auf Ministerebene intensiviert werden, um verbindliche Festlegungen zur effektiven Nutzbarmachung der benötigten Flächen zur Windenergienutzung zu erreichen.

Die Energiewende braucht einen verlässlichen Ausbaupfad für die Windenergie, sollen die oben beschriebenen energiepolitischen Ziele zur Kohlereduktion und zum Erhalt der Versor-gungssicherheit in Deutschland nicht Makulatur sein.

Der vorliegende gemeinsame 10-Punkte-Plan von Energiewirtschaft, Maschinen- und Anlagenbau und Umweltverbänden zeigt breit getragene Vorschläge auf, wie die Hemmnisse für den Windausbau an Land abgebaut und die Flächenverfügbarkeit für den weiteren Ausbau erhöht werden können.

Zehn Punkte, die für den Ausbau der Windenergie sprechen (PDF)

Repowering - Handlungsempfehlungen für den Weiterbetrieb von Windenergieanlagen in Thüringer Kommunen

In den kommenden Jahren fallen in Thüringen etwa 200 Windenergieanlagen (WEA) nach einem Zeitraum von 20 Jahren oder mehr aus der EEG-Förderung heraus. Es muss daher zeitnah geprüft werden, wie mit diesen Anlagen weiter umzugehen ist. Ein sorgfältiger Abwägungsprozess sollte vor einer Entscheidung über Rückbau, Ersatz durch neue Anlagen (Repowering) oder dem Weiterbetrieb ohne Förderung stehen.

Kommt man zu dem Ergebnis, dass Anlagen nicht wirtschaftlich weiterbetrieben werden können, und ruft man sich zugleich die Ausbauziele von Bund und Land vor Augen, wird schnell deutlich, dass Handlungsbedarf im Bereich des Repowering besteht. Ansonsten könnte es unter den aktuellen Rahmenbedingungen, völlig im Widerspruch zu den gesetzten Ausbauzielen, nach 2020 sogar zu einem Rückbau der installierten Windenergieleistung im Freistaat Thüringen kommen. Interesse am Repowering von Standorten besteht auch in Thüringen nicht nur bei den jeweiligen Anlagenbetreibern, sondern auch bei den Anwohnern, Grundstückseigentümern und Kommunen, denn Repowering bringt auch eine Erhöhung der regionalen Wertschöpfung zum Wohle aller mit sich.

(Quelle: ThEGA)

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Einfluss der Windenergie auf das weltweite Insektensterben zu vernachlässigen

Eine englischsprachige Veröffentlichung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hatte die mediale Aufmerksamkeit in den vergangenen Tagen auf einen vermeintlichen Zusammenhang zwischen Windenergienutzung und dem Rückgang von Insektenbeständen gelenkt. In einem ausführlichen Infopapier nimmt der Bundesverband WindEnergie (BWE) die Aussagen der Studie unter die Lupe und vergleicht den Beitrag der Windenergie zum Insektenrückgang mit dem Einfluss anderer menschengemachter Einflussfaktoren. Fest steht: Der Einfluss der Windenergie auf die Insektenpopulationen ist zu vernachlässigen.

Bereits in einer kurzfristig veröffentlichten Pressemitteilung hatte der BWE auf die methodischen Schwächen der DLR-Veröffentlichung hingewiesen. In einem ausführlichen Hintergrundpapier werden nun weitere Informationen zum Thema Insektensterben aufbereitet dargestellt. Darüber hinaus werden die Kernaussagen der DLR-Veröffentlichung zusammengefasst, im Licht anderer wissenschaftlicher Erkenntnisse bewertet und durch eine BWE-Positionierung abgerundet.

„Schaut man sich die eigentlichen Gründe für das Insektensterben in Deutschland an, ist die Windenergie zu vernachlässigen. Stattdessen wird schnell klar, dass die immer intensivere Landbewirtschaftung u.a. durch den Einsatz von Pestiziden, Herbiziden und Düngemittel sowie durch die Zunahme von Monokulturen die Hauptursache des Bestandsrückgangs darstellt. Wer Insekten schützen will, sollte hier den Hebel ansetzen. Das bestätigen auch die Ergebnisse des Internationalen Insektenschutzsymposiums 2018“, kommentiert Wolfram Axthelm, Geschäftsführer Bundesverband WindEnergie anlässlich der Veröffentlichung des BWE-Infopapiers.

In der vergangenen Woche hatten sich neben dem BWE auch einige entomologische Fachexperten zu Wort gemeldet, die die Ergebnisse der DLR-Studie in Zweifel zogen. Sie verwiesen darauf, dass eine Analyse der Tötungszahlen die falsche Herangehensweise sei. Stattdessen sei es wichtig, geeignete Lebensräume für Insekten zu schaffen und zu schützen. Mit diesen Lebensräumen sei eine Stabilisierung der fortpflanzungsfreudigen Insektenpopulationen möglich.

„Windenergieprojekte schaffen schon heute durch naturnahe Kompensations- und Ausgleichsflächen neue Lebensräume für bedrohte Tier-, Pflanzen und Insektenarten. Gleichzeitig haben die in Deutschland installierten Windenergieanlagen alleine im Jahr 2018 CO2-Emissionen in Höhe von 72 Millionen Tonnen eingespart. Die deutsche Windenergie erbringt einen nachhaltigen Beitrag zum Klimaschutz und unterstützt so die Populationserhaltung auch im Bereich der Insekten“, macht Wolfram Axthelm erneut deutlich.

(Quelle: BWE)

Infopapier zu Windenergie und Insekten

  • Die Insektenbestände in Deutschland nehmen seit Jahrzenten ab. Als Hauptgründe dafür gelten die intensive Form der Landbewirtschaftung sowie die verstärkte Flächenversiegelung durch menschliche Infrastruktur.
  • Insekten erfüllen eine wichtige Rolle in nahezu allen Ökosystemen. Über ihre Artenvielfalt und ihre Populati-on in Deutschland besteht dennoch kein gesichertes Wissen.
  • Mit einer Veröffentlichung von Dr. Franz Trieb im Namen des Deutschen Instituts für Luft- und Raumfahrt (DLR) wird erstmals die Windenergie als ein möglicher Faktor für den Rückgang der Insektenbestände be-nannt.
  • Der BWE weist die Ergebnisse der DLR-Veröffentlichung entschieden zurück. Sie stützt sich auf unwissen-schaftliche Quellen, basiert auf methodisch willkürlichen Annahmen, blendet andere Einflussfaktoren aus und ist empirisch nicht abgesichert.

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3. Weiterbildungsfahrt „Windenergie“ am 15. Mai 2019

Am 15. Mai 2019 nahmen 43 Studierende der Ernst-Abbe-Hochschule und Mitglieder von BUND Jena an der dritten Weiterbildungsfahrt zur „Windenergie in Thüringen“ teil. Ziel der Fahrt war es, über Windkraft in der Region zu informieren und Erfahrungen beteiligter Akteure auszutauschen.

Initiatoren waren die Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur GmbH (ThEGA), das Thüringer Erneuerbare Energien Netzwerk (ThEEN) e.V. und der Landesverband Thüringen des Bundesverbandes WindEnergie e.V.. Der BWE-Landesvorsitzende für Thüringen Frank Groß lobt das Format: „Besonders beim Thema Windkraft, bei dem Akzeptanz eine maßgebliche Rolle spielt, ist der Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern essentiell. Das junge Publikum in diesem Jahr zeigt, dass die Generation offen für die Energiewende und die Nutzung der Windenergie ist.“

Die Busfahrt startete in Jena und steuerte als erste Station den Windpark in Frauenprießnitz/Wetzdorf an. Dort wurde die Gruppe durch Herrn Köhler und Herrn Helmut von der Firma „median Neue Energie GmbH“ sowie Herr Dr. Darnstädt, dem Bürgermeister von Schkölen empfangen.

Am Beispiel des Windparks beschäftigte sich die Gruppe mit dem Thema Gewerbesteuerzahlungen. Der nächste Halt war der Windpark Rositz, in dem zwei Vertreter der EnBW AG mit den Teilnehmern über das Repowering von alten Anlagen sprachen. Abschließend wurde der Windpark Bucha/Coppanz besucht, in dem die derzeit leistungsstärkste Windenergieanlage mit dem größten Rotordurchmesser in Thüringen steht.

Hier beantworteten Herr Heinrich von Enercon und Frau Moritz von Denker & Wulf, als Vertreter der beteiligten Unternehmen, sowie der ehemaliger Bürgermeister Herr Dr. Redlich die Fragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.


Aktuelle Interviews

Mitgestalten statt Meckern

Bürgerbeteiligung als Chance, die Energiewende mitzugestalten

Mitgestalten ist besser als Meckern. So einfach lässt sich die Idee der Bürgerbeteiligung bei der Energiewende, das heißt dem Aufbau einer dezentralen, CO2-neutralen Energieversorgung, zusammenfassen. Denn - das ist kein Geheimnis - Veränderung sorgt häufig auch für Streit, zum Beispiel beim Bau von Windenergieanlagen.

Prof. Jens Wolling, Sie sind Professor für Kommunikationswissenschaft an der TU Ilmenau und verfolgen seit vielen Jahren, wie sich solche Konflikte am besten lösen lassen.

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Gibt es ein Erfolgsrezept, um Konflikte in der Bürgerschaft beispielsweise in Bezug auf Energieprojekte zu lösen?

Konflikte entstehen und verschärfen sich häufig, weil die Beteiligten nicht früh genug und nicht offen genug miteinander reden. Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Konfliktlösung, die die Interessen der Beteiligten bestmöglich berücksichtigt, ist die Bereitschaft in einen offenen Dialog einzutreten.

In einem solchen Dialog müssen nicht nur die Projektpläne, sondern auch die damit verbundenen Ziele und Erwartungen genauso wie die Bedenken und Vorbehalte nachvollziehbar kommuniziert und diskutiert werden.

Welche Schwierigkeiten sehen Sie, die die Kommunikation behindern?

Ein Problem ist, das über Aspekte des Themas diskutiert wird, die in dem konkreten Fall nicht zur Entscheidung stehen. Wenn in einem Ort eine Windkraftanlage gebaut werden soll dann geht es nur um dieses konkrete Projekt und nicht um die Energiewende insgesamt.

Falls Bürger grundsätzliche Einwände gegen die Energiewende haben, dann steht es ihnen offen, auf der dafür zuständigen politischen Ebene Einfluss zu nehmen, wenn sie etwas verändern wollen. Dass es beim Bau einer konkreten Anlage nicht um die Energiepolitik insgesamt geht, wird von manchen Personengruppen bewusst ignoriert.

Wenn politisch motivierte Agitatoren die Bürger zu Protesten gegen den Bau eines Windrades mobilisieren, es ihnen aber eigentlich um eine andere Energiepolitik geht und nicht um das konkrete Projekt, dann provozieren sie vorsätzlich Verdruss und Enttäuschung bei den Bürgern, denn vor Ort geht es um die konstruktive Gestaltung eines Vorhabens und nicht um eine Grundsatzentscheidung.

Was wären konkreten Fragen, die zu beantworten sind? Können Sie hier einige Beispiele nennen?

Gerne. Fragen, die in einem konkreten Fall diskutiert werden sollten, sind unter anderem folgende:

  • Ist es sinnvoll, an diesem Ort überhaupt ein Windrad zu bauen?
  • An welcher Stelle soll dieses Windrad gebaut werden?
  • Wieviel Geld wird mit diesem Windrad verdient, wer verdient es?
  • Um welche Höhe, Anzahl und Ausführung der Anlage handelt es sich?
  • Werden beim Bau der Boden-, Gewässer-, Natur- und Landschaftsschutz in bestmöglicher Weise berücksichtigt?
  • Werden Menschen durch die Bauwerke gesundheitlich gefährdet oder beeinträchtigt?
  • Was geschieht nach dem Ende der Lebensdauer mit der Anlage? Wie wird zurückgebaut? Lassen sich die Bauteile weiternutzen?
  • Welche Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme wird (vor Ort) durchgeführt?

Wenn wichtige Fragen wie diese im Raum stehen, treffen vermutlich extreme Meinungen aufeinander. Wie ist es möglich, eine Eskalation zu vermeiden?

Die Betroffenen sollen ergebnisoffen in die Diskussion gehen. Enttäuschungen und Ärger sind dann vorprogrammiert, wenn für betroffene Bürger die Verhinderung der Windkraftanlage als einzig akzeptables Resultat in Frage kommt. Um eine solche Haltung zu überwinden, ist ein Perspektivwechsel notwendig. Die meisten Menschen wünschen sich, dass es bei Entscheidungen gerecht zugeht. Von daher empfehle ich die Gerechtigkeitsfrage zu stellen:

  • Wer wird durch das Projekt besonders belastet? Werden diejenigen auch entsprechend entschädigt?
  • Wer hat von dem Projekt die meisten Vorteile? Trägt derjenige, der Vorteile hat, auch entsprechend zur Entschädigung derjenigen bei, die belastet werden?

Stichwort Entschädigung: Wenn eine Kommune auf regenerative Energie setzt, sind in der Regel auch Ausgleichsmaßnahmen fällig. Darin steckt doch eigentlich eine Chance, oder?

Meiner Meinung nach sollen Ausgleichsmaßnahmen von den Verantwortlichen vor Ort definitiv als Chance und Gelegenheit angesehen werden, die Lebensqualität der Bürger zu erhöhen. Dies kann zum Beispiel passieren, indem Gebiete geschaffen werden, in denen unmittelbare Naturerlebnisse für die Menschen möglich werden.

Die Planung sinnvoller Ausgleichsmaßnahmen ist genauso wichtig wie die sorgfältige Planung des Projekts selbst. Bisher wird solchen Maßnahmen in der Praxis leider zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Besonders an der Stelle sollten Sachkenntnis und die Wünsche der Bevölkerung vor Ort viel stärker eingebunden werden.

Vielen Dank für das Gespräch.


Energie aus und für Thüringen

Hochschule Nordhausen: Den Erneuerbaren gehört die Zukunft

Die Energiewende gehört zu den großen Herausforderungen unserer Zeit. Viele Fragen sind noch ungelöst, während die Restlaufzeiten der Atomkraftwerke immer kürzer werden. Landauf, landab diskutieren Experten über intelligente Speicher- und Energieverteilungslösungen, aber auch über die Anteile der jeweiligen regenerativen Energien am künftigen Energiemix. Diese sollen in Thüringen nach dem Willen der Landesregierung in den nächsten Jahren deutlich ausgebaut werden, allen voran die Windenergie.

Prof. Dr.-Ing. Viktor Wesselak ist Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule Nordhausen. 

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Wenn man die verschiedenen regenerativen Energieerzeugungen vergleicht - was spricht aus Ihrer Sicht für die Windenergie?

Nun, da gibt es eine Reihe von Gründen. Windkraft wird zusammen mit der Photovoltaik den Kern unseres zukünftigen Energiesystems darstellen. Die beiden Energiearten ergänzen sich ziemlich gut: in Wochen in denen wenig Sonne scheint, haben wir häufig ein erhöhtes Windaufkommen und umgekehrt. Darüber hinaus haben Windenergieanlagen allgemein eine gute Ökobilanz und werden immer günstiger. Man muss auch kein Großkonzern sein, um den Bau einer Windkraftanlage zu stemmen. Kommunale Initiativen oder Genossenschaften ermöglichen es oft den Anrainern eines Windparks selbst unternehmerisch tätig zu werden.

Und dann haben wir natürlich - wie bei allen dezentralen Energien - noch den Faktor Arbeitsplätze. Obwohl wir in Sachen Windenergie noch am Anfang stehen, beschäftigt sie schon heute allein in Thüringen 3000 Menschen!

Schon jetzt hat die Windenergie den größten Anteil an der regenerativen Energieproduktion im Freistaat. Wieviel trägt Wind insgesamt zum Bedarf bei und welches Potential sehen Sie hier in Thüringen?

In Thüringen sind derzeit insgesamt 863 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von über 1.500 MW in Betrieb. Damit können über 650.000 Durchschnittshaushalte mit Strom versorgt werden. Das klingt erst einmal gut, reicht aber in Zukunft bei weitem nicht aus. Deutschland wird vermutlich im Jahr 2050 etwa viermal soviel Windkraft benötigen wie heute installiert ist. Auch Thüringen hat das Potential dafür - da ist noch eine Menge Luft nach oben – im wahrsten Sinne des Wortes.

 

Warum haben wir denn nicht schon heute mehr Windenergie?

Gute Frage! Die muss man aber an die Politik weiterspielen. Wir rechnen in den nächsten Monaten eher mit einer Stagnation beim Ausbau der Windenergie in Thüringen, da derzeit  zu wenig Vorrangflächen ausgewiesen sind. Die Landesregierung weist mit dem neu verabschiedeten Thüringer Klimaschutzgesetz ein Prozent der Landesfläche als Windvorrangfläche aus. Ich bin gespannt, was passiert – denn im Augenblick haben wir gerade mal ein Drittel davon  für Windenergie genutzt!

Anders als Solarenergie hat Windkraft ein eher schlechtes Image. Woran liegt das?

So schlecht ist das gar nicht. Das wird von Gegnern der Windenergie gerne anders dargestellt. Es stimmt aber nicht. Laut einer aktuellen Forsa-Studie sehen 73% der Thüringer die Nutzung und den Ausbau von Windenergieanlagen im Binnenland als „sehr wichtig“ bzw. „eher wichtig“ an. Befindet sich in Wohnortnähe ein Windrad, sinkt dieser Anteil auf 68%. Mehr als die Hälfte der Befragten, in deren Wohnortnähe sich bisher keine Windräder befinden, haben gegenüber einem Neubau „weniger große“ oder gar „keine Bedenken“. Besonders jüngere Menschen sind da sehr aufgeschlossen. Das sind eigentlich gute Werte, die man aber steigern kann!

Und wie?

Es ist allgemein wichtig, die betroffenen Bürger bei der Planung solcher Anlagen von Anfang an einzubinden. Natürlich gibt es da Diskussionsbedarf und offene Fragen, z.B. wie stark die Geräuschbelästigung in welcher Entfernung ist oder wie groß die Bedrohung für Vögel ist.

Dann lassen Sie uns doch diese Themen der Reihe nach abarbeiten.

Gerne!

Wie ist das mit der Belästigung für die Anwohner?

In Thüringen gibt es ganz klare Richtlinien für die Abstandsregelung. Diese stellt sicher, dass Anwohner im Prinzip nicht belästigt werden. Etwas anders ist es mit der Sicht. Je nach Lage kann es natürlich sein, dass man von seiner Terrasse auf ein Windrad schaut. Das ist – zugegeben – Geschmackssache.

Allerdings erleben wir ja derzeit die Diskussion über den Hambacher Forst, der für die Produktion fossiler Brennstoffe abgeholzt werden soll. Und für Viele  sind die Proteste dort absolut nachvollziehbar. Wir müssen uns als Gesellschaft schon fragen, was uns lieber ist: Sichtbeeinträchtigungen durch Windenergieanlagen oder Bergbaufolgelandschaften eines Braunkohletagebaus. Ganz abgesehen davon, dass wir bei fossilen Energieträgern weiterhin den Klimawandel anheizen.

Wie ist das mit der oft genannten Gefahr für Vögel?

Die Errichtung einer Windenergieanlage stellt einen Eingriff in die Natur dar - gar keine Frage. Und auch hier muss man bei der Wahrheit bleiben und klar sagen: ja, es kommt zu Kollisionen von Vögeln und Windrädern. Verschiedene Gesetze regeln, dass der Artenschutz und im Übrigen auch andere Auswirkungen auf die Natur vor einer Genehmigung intensiv geprüft werden müssen. Bekannte Vogelflugrouten oder Nistplätze bedrohter Arten  sollen  beim Bau von Windenergieanlagen dann gemieden werden.

Generell gilt bei jedem Eingriff, dass entsprechende Ausgleichsmaßnahmen geleistet werden müssen. So hat beispielsweise die Gemeinde Nesse-Apfelstädt als Ausgleich für eine Windenergieanlage aus einem ehemaligen Trinkwasserspeicherbecken eine Überwinterungsstätte für Fledermäuse gemacht.

Hier sehe ich  die Windenergieanlagen-Betreiber in der Pflicht, der betroffenen Bevölkerung das hinreichend zu erklären.

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Das ist das Stichwort: wie können sich besorgte, aber auch interessierte Bürger einbringen und informieren?

Wie schon gesagt: die Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger bei der Energiewende muss von oberster Priorität sein, sonst gelingt das Vorhaben nicht! Gesetzlich vorgeschrieben ist ja, dass die Bevölkerung vor dem Bau von Windenergieanlagen intensiv informiert werden muss – in Form von Informationsveranstaltungen, Bekanntmachungen, etc.  Aber mir ist auch noch ein anderer Punkt wichtig: es gibt ja immer mehr Bürgerwindparks und Energiegenossenschaften. Darüber lässt sich nicht nur Geld investieren sondern auch mitgestalten.

Informationen gibt es außerdem zum Beispiel bei der Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur (ThEGA), die sogar ein Gütesiegel „Faire Windenergie in Thüringen“ verleiht.

An dem Ausbau der Windkraft führt also kein Weg vorbei?

Ohne Windkraft wird das mit der Energiewende nichts. Und ohne Energiewende wird das mit dem Klimaschutz nichts. Und ohne wirksamen Klimaschutz sind unsere jetzigen Diskussionen Kinderkram.

Herr Prof. Wesselak, vielen Dank für das Gespräch.


Aktuelle Videos

Deutschland bewegt sich. Mit Windenergie.
Bundesverband WindEnergie BWE

Repowering und bedarfsgerechte Befeuerung
Bundesverband WindEnergie BWE

Das Pro zum Kontra der Windkraftgegner
Protect the Planet

Fakten und Positionen

Wind & Mensch

Rahmen und Recht

«Vielfältige gesetzliche Rahmenbedingungen wie die Lärmschutzrichtlinie, Abstands- und Immissionsschutzregelung sowie diverse technische Lösungen steigern die Akzeptanz in der Bevölkerung.»

Angst vor einem ungesteuerten Zubau brauchen Bürger nicht zu haben, denn auch in Zukunft werden nicht mehr als ein Prozent der Thüringer Landesfläche als Windstandorte genutzt werden. Dies wird zukünftig im Thüringer Klimaschutzgesetz geregelt. Als Standort kommt zudem nur in Frage, was in den vier Regionalplänen Thüringens als Vorranggebiet für Windenergie ausgewiesen wurde und einer ausführlichen Prüfung standhält. Für Windenergieanlagen in Thüringen bis einschließlich 150 m Gesamthöhe wird ein Abstand von mindestens 750 m, bei über 150 m Höhe mindestens 1.000 m Abstand zur Wohnbebauung empfohlen. Neben den Abständen zu Wohngebieten und Verkehrswegen, Gewässern, Natur- und Landschaftsschutzgebieten, Militärbasen, Flughäfen oder denkmalgeschützten Bauwerken müssen die lokalen Windverhältnisse stimmen. 1

Windräder in der Nähe von Wohngebieten können aufgrund von optischen Reizen gelegentlich als störend empfunden werden. Die roten Blinklichter (Befeuerung) an den Windenergieanlagen sind Pflicht, um Flugzeuge und Helikopter vor Hindernissen dieser Art zu warnen. Derzeit sind diese bei Dunkelheit dauerhaft aktiv. In vielen Windparks gehen die Lichter aber nur noch an, wenn es auch tatsächlich nötig ist. Radarsensoren überwachen dort die Umgebung der Windenergieanlagen und stellen eine bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung sicher. Bis 2021 sollen bestehende Windparks die bedarfsgerechte Befeuerung nachrüsten, wenn sie nicht in wirtschaftlicher Hinsicht zu klein dazu sind. 2  3 


Quelle: BWE: Wind bewegt, 2018

Bürger und Beteiligung

«Bürger konsumieren nicht nur sauberen Strom, sie produzieren ihn inzwischen selbst.»

Laut der Forsa-Studie „Stimmungsbild Windkraft in Thüringen“ im Jahr 2018 sehen 73% der über 1.000 Befragten die Nutzung und den Ausbau von Windenergieanlagen im Binnenland als „sehr“ bzw. „eher“ wichtig in Thüringen. Befindet sich in Wohnortnähe (in 600 – 5.000m Entfernung) ein Windrad, so sinkt dieser Anteil auf 68%. Mehr als die Hälfte der Befragten, in deren Wohnortnähe sich bisher keine Windräder befinden, haben gegenüber einem Neubau weniger große oder gar keine Bedenken. Besonders jüngere Menschen äußern weniger Bedenken. 4

Bürger können sich formell (z.B. obligatorische Bürgerbeteiligungen) sowie informell (z.B. Webseiten, Diskussionsrunden, Konferenzen) an Verfahren beteiligen. Zudem ist eine finanzielle Teilhabe möglich. Dabei wird zwischen der aktiven und passiven Teilhabe an Windenergieprojekten unterschieden. Die Beteiligung und Teilhabe der Bürger schafft neben der regionalen Wertschöpfung Akzeptanz und Unterstützung für Windparks in Thüringen.


Quelle: BWE: Wind bewegt, 2018


Weiterführende Links:

www.buergerenergie-thueringen.de

Arbeitsplätze

«Im Jahr 2016 waren deutschlandweit rund 160.000 Menschen, in Thüringen 3.000 5 direkt oder indirekt in der Windbranche beschäftigt – darunter Ingenieure, Techniker, Mechaniker, Planer und Logistiker. Weltweit arbeiten sogar 1,16 Millionen Menschen im Bereich Windenergie 6

Die Windenergie ist zu einem unverzichtbaren Arbeitgeber geworden. Die Zahl der Beschäftigten in Deutschland hat sich zwischen 2006 und 2016 mehr als verdoppelt. Doch die Politik hat eine große Verantwortung, dass diese Arbeitsplätze erhalten bleiben. Nachdem bereits im vergangenen Jahr verschiedene Unternehmen aus der Branche unpopuläre Maßnahmen zum Beschäftigtenabbau treffen mussten, setzt sich dieser Trend auch im Sommer 2018 fort.

Hauptsächlich betroffen sind neben den Herstellern von Windenergieanlagen auch Zulieferunternehmen, bspw. in Ostdeutschland. Aufgrund der positiven Wertschöpfungseffekte ist es umso wichtiger, dass die Industrie politisch verlässliche Rahmenbedingungen schafft und erhält. Beim zukünftigen Ausbau Erneuerbarer Energien sollte der Gesetzgeber daher durch ambitionierte Zielvorgaben Investitions- und Planungssicherheit ermöglichen. 7


Quelle: BWE: Wind bewegt, 2018

Gesundheit

«Verschiedene Studien und Gutachten entkräften die Befürchtung, dass Windräder in der Nähe von Wohngebieten einen Einfluss auf die Gesundheit haben können.»

Laut Studien des Deutschen Naturschutzbundes und verschiedener Landesämter für Umwelt werden in unmittelbarer Nähe von Windrädern nicht ansatzweise gesundheitsschädlich bedenkliche Schallpegel erreicht. Gestützt werden diese Studien von einem Urteil des Verwaltungsgerichtes Würzburg zur Unbedenklichkeit der Schallemissionen von Windenergieanlagen. Auch regelmäßig vor Ort durchgeführte Nachmessungen decken sich mit diesen Einschätzungen. Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit sind daher nach derzeitigem internationalem Kenntnisstand nicht zu erwarten.8

Wie böiger Wind, die Meeresbrandung oder fahrende Autos erzeugen auch Windkraftanlagen Schall mit sehr niedrigen Frequenzen (unter 20 Hertz), sogenannten Infraschall. Diese Frequenzen sind für den Menschen normalerweise nicht wahrnehmbar.

Dennoch befürchten einige Anwohner, dass sie durch Infraschallbelastung krank werden könnten. Obwohl Forscher die vermeintliche Ursache-Wirkung-Beziehung zwischen Windkraft und dem Auftreten von Krankheiten nicht nachvollziehen können, gibt es Menschen, die unter Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Übelkeit leiden. Diese Beschwerden sind real und müssen ernst genommen werden.

Experten führen das sogenannte „Windturbinensymptom“ auf den Nocebo-Effekt zurück. Demnach erkranken Anwohner nicht an akustischen oder optischen Signalen der Windenergieanlage, sondern an der Befürchtung, dass diese gesundheitsschädlich sein könnten. Hier sind weitere Aufklärungsarbeit und Forschung dringend notwendig.9


Quelle: BWE: Wind bewegt, 2018

Wind & Technik

Ökobilanz

«Windenergieanlagen können mit ihrer guten Ökobilanz punkten. Die für die Herstellung, Nutzung und Entsorgungaufgebrachte Energie wird bei modernen Anlagen bereits nach 5 bis maximal 12 Monaten durch die eigene Stromproduktion wieder ausgeglichen.» 10 11

Windenergieanlagen produzieren nicht nur sauberen Strom, auch für ihre Herstellung, Nutzung und Entsorgung muss Energie aufgebracht werden. Dies wird als „energetische Amortisation“ bezeichnet. Eine Windenergieanlage erzeugt während ihrer 20-jährigen Laufzeit bis zu 70 Mal so viel Energie, wie für ihre Herstellung, Nutzung und Entsorgung benötigt wird.

Durch das Recycling der Materialen kann dieser Wert weiter gesteigert werden. Selbstverständlich hängt die energetische Amortisation stets von der Anlagenleistung und –höhe sowie vom Standort ab.

Die nachfolgende Abbildung zeigt beispielhaft, welche Energiemengen für die Herstellung einer Windenergieanlage durchschnittlich aufgewendet werden und wie sie sich auf die einzelnen Komponenten verteilen. 12


Quelle: BWE: Wind bewegt, 2018

Recycling

«Moderne Windenergieanlagen lassen sich fast vollständig recyceln.Etwa 80 bis 90 Prozent der Komponenten einer Windenergieanlage, bezogen auf ihre Gesamtmasse, können wiederverwertet werden.» 13

Windenergieanlagen sind anspruchsvolle Hochtechnologien. Trotzdem stellen der Abbau und das Recycling ihrer Bestandteile keine Probleme dar, wie Unternehmen der Abfallwirtschaft bestätigen. Inzwischen haben Firmen sichere Lösungen gefunden, um Windenergieanlagen zu recyceln und gewinnbringend weiterzuverwenden. Moderne Windräder lassen sich fast vollständig verwerten.

Sie bestehen zu über 80 Prozent aus Stahl und Beton. Die Betonteile des Fundaments finden nach einer Aufbereitung als Recyclingbeton beispielsweise im Straßenbau Verwendung. Die Stahlsegmente gehen vorwiegend als Sekundärstoff zurück ins Stahlwerk.

Einige Bestandteile, wie die Rotorblätter, finden keinen Zweitmarkt und müssen recycelt werden. Das Recycling der Rotorblätter gestaltet sich besonders herausfordernd, aufgrund der Zusammensetzung aus Glasfaserkunststoffen, Kohlefasern und anderen Kunststoffen. Diese führt dazu, dass die thermische Verwertung alter Rotorblätter nur in spezialisierten Betrieben möglich ist.


Quelle: BWE: Wind bewegt, 2018

Stillstehende Anlagen

«Es gibt eine Vielzahl von Gründen warum Anlagen vorübergehend stillstehen wie z.B. Wartung, Tierschutz, problematische Stromeinspeisung.»

Wie der Name der Technologie verrät, sind Windenergieanlagen naturgemäß auf Wind angewiesen. Dass sie in Gebieten mit ausreichend Wind gebaut werden, garantieren etwa Messungen der lokalen Windverhältnisse vor Ort. Wenn Anlagen also vorübergehend stillstehen, hat dies häufig andere Gründe. Vor allem der verschleppte Netzausbau sowie ein Überangebot an konventionellem Strom stehen einer noch effizienteren Nutzung der Windenergie im Weg. Gelegentlich müssen Windenergieanlagen abgeschaltet werden, wenn sie eigentlich am effizientesten arbeiten.

Genauer gesagt dann, wenn bei starkem Wind viel Windstrom ins Netz eingespeist wird. In Zukunft werden diese Fälle abnehmen. Dafür gibt es zwei Gründe. Ein optimiertes und leistungsfähiges Stromnetz wird künftig mehr Windstrom aufnehmen und Angebot und Nachfrage besser miteinander in Einklang bringen können. Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe von Gründen, wieso sich die Rotoren der Windenergieanlagen trotz gutem Windaufkommen teilweise nicht drehen. Zum Teil sind Wartungsarbeiten und Reparaturen der Grund für eine zeitweise Abschaltung. 14

Ein weiterer Anlass kann der Schutz von Vögeln und Fledermäusen zu Brut- und Ausflugzeiten sein.


Quelle: BWE: Wind bewegt, 2018

Repowering

«Das Ersetzen der alten Windräder mit neuen ist mit vielen Vorteilen verbunden. Unter Anderem kann trotz einer Verringerung der Gesamtanlagenanzahl die Stromerzeugung gesteigert werden.»

Damit Thüringen als auch Deutschland seine Klimaschutzziele einhalten können, muss der Anteil der Erneuerbaren Energien am Endenergieverbrauch steigen. Für die Windenergie an Land bedeutet das nicht zwingend eine proportional steigende Anzahl an Windenergieanlagen, sondern den Einsatz einer effizienteren Technologie mit höherem Ertrag.

Unter dem Schlagwort Repowering versteht man das Ersetzen von Altanlagen durch leistungsstärkere Anlagen, die im Laufe der letzten Jahre auch hinsichtlich der Anforderungen optimiert wurden. Ein wichtiger Vorteil ist die Reduktion der Gesamtanlagenanzahl durch das Repowering.

Als Faustregel gilt, dass bei einer Halbierung der Anlagenanzahl eine Verdoppelung der Leistung und eine Verdreifachung des Stromertrags erzielt werden. Der zweite Vorteil ist, dass sich moderne Anlagen sehr viel besser in das elektrische Netz integrieren lassen, denn sie speisen konstanter und in größeren Mengen Strom ein.

Drittens bieten sich Vorteile des Anwohnerschutzes, da die neuen Anlagen durch geringere Umdrehungszahl optisch verträglicher und durch neue Technoligen geräuschärmer sind als die bisherigen Bestandsanlagen.15


Quelle: BWE: Wind bewegt, 2018

Wind & Natur

Klimaschutz

«Die Windenergie leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz in Thüringen.»

Durch den Abbau der Erdressourcen, die fortlaufende Entwaldung und vor allem den Ausstoß von Treibhausgasen hat die Menschheit zu einer beschleunigten Erderwärmung beigetragen ‒ mit dramatischen Folgen. Neben Energiesparmaßnahmen sind die Erneuerbaren Energien das wichtigste Mittel im Kampf gegen den Klimawandel: allein 2017 wurden durch die Nutzung Erneuerbarer Energien 179 Millionen Tonnen Treibhausgas-Emissionen eingespart. 16  17

Der Freistaat Thüringen hat sich zum Ziel gesetzt bis 2040 seinen Eigenbedarf bilanziell durch einen Mix aus 100 Prozent regenerativer Energie zu decken. Bis zum Jahr 2020 sollen 35 Prozent des Endenergieverbrauchs aus Erneuerbaren Energien stammen.18 In Thüringen trägt die Windenergie bisher den größten Anteil Erneuerbaren Stroms bei. Zur Erreichung der notwendigen Klimaschutzziele ist es jedoch noch ein langer Weg. Um die Lücke zu schließen, sollten zusätzliche Erneuerbare-Energien-Anlagen dem Klimaschutz beitragen.


Quelle: BWE: Wind bewegt, 2018

Natur- und Artenschutz

«Wie bei jedem anderen Bauprojekt wird beim Bau von Windenergieanlagen im Planungs- und Genehmigungsprozess sichergestellt, dass die Auswirkungen auf Naturschutz, Artenschutz und Landschaftsbild gering bleiben.»

Nahezu jedes Windparkprojekt wird heutzutage durch Artenschutzuntersuchungen und Umweltverträglichkeitsprüfungen begleitet. Dabei wird gründlich untersucht, ob der geplante Standort geschützte Vogel- und Fledermausarten beherbergt. Auch unbesetzte Vogelhorste müssen in die Betrachtung einbezogen werden, denn es gilt als wahrscheinlich, dass vorübergehend nicht besetzte Brutgebiete und Jagdreviere zu einem späteren Zeitpunkt durch die Tiere neu genutzt werden. Darüber hinaus tragen Windparkprojektierer durch so genannte Ausgleichsmaßnahmen dazu bei, dass etwaige Folgeschäden für Natur und Umwelt minimiert oder gar vollständig kompensiert werden.

Wie umweltschonend Windenergie ist, wird insbesondere im Vergleich zum Braunkohleabbau in Tagebauen deutlich. Dieser verursacht, dass ganze Dörfer umgesiedelt werden, die Landschaft dauerhaft verändert wird und auf lange Zeit unbewohnbar bleibt. Auch nach Rückbau eines Kohlekraftwerks werden Renaturierungsmaßnahmen umgesetzt. Doch im ausgebeuteten Land treten anschließend nicht selten Gewässerbelastungen, Bergschäden oder der Verlust an biologischer Vielfalt auf.


Quelle: BWE: Wind bewegt, 2018

Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen

«Verschiedene Maßnahmen stellen sicher, dass Eingriffe in die Natur ausgeglichen oder ersetzt werden.»

Die Errichtung von Windenergieanlagen stellt einen Eingriff in die Natur dar. Daher müssen Folgen für die lokale Tier- und Pflanzenwelt genauestens beurteilt werden. Der Bundesnaturschutz definiert rechtliche Standards für Eingriffe in die Natur und zum Schutz wilder Tiere.21

Viele sinnvolle Maßnahmen, vom Rückbau ungenutzter Gebäude bis hin zur Gewässerrenaturierung, konnten in Thüringen bereits umgesetzt werden. Hiervon profitiert nicht nur die Tierwelt. Die Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, welche im Zuge der Errichtung von Windenergieanlagen erbracht werden müssen, werden häufig in Abstimmung und Zusammenarbeit mit den Gemeinden und den Naturschutzbehörden erarbeitet und umgesetzt. So entstanden in Thüringen etwa naturnahe und artenreiche Grünflächen in Wetzdorf, Pölzig und Westernegel; hochwertige Feuchtbiotope in Wangenheim und Tanna oder auch eine neu angelegte Festwiese mit Osterfeuerplatz in Großberndten.

Außerdem wird in Aufforstungen und die Entwicklung neuer Nahrungshabitate für Vogelarten investiert. Zudem haben Maßnahmen zum Fledermäusen- und Vogelschutz vereinzelt dazu geführt, dass die Lebensbedingungen der Tiere sogar aufgewertet wurden und ihre Population parallel zum Ausbau der Windenergie gewachsen ist.22

Ausgleichsmaßnamen umsetzen – so geht´s
Quelle: ThEGA, 2017


Quelle: BWE: Wind bewegt, 2018

Wind & Wirtschaft

Kosten

«Stromerzeugung kostet Geld, egal ob fossil mit Kohle und Gas oder erneuerbar mit Wind und Sonne. Dennoch ist das Angebot an Wind endlos und verursacht im Vergleich deutlich weniger gesellschaftliche Kosten.»

Dank der bisherigen Investitionen, vor allem durch das Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG), sind die Preise für Windenergie in Deutschland auf das Niveau der fossilen Energieträger gesunken, die ebenfalls seit Jahrzenten steuerlich unterstützt wurden. Anders als die Kosten der fossilen Energien, die weitreichende externe Folgekosten für Mensch und Umwelt verursachen, werden die Kosten für die Erneuerbaren Energien auf der Stromrechnung transparent ausgewiesen: mit der EEG-Umlage.

Diese Umlage, die von privaten Verbrauchern sowie kleinen und mittleren Unternehmen als Zuschlag auf den Strompreis bezahlt wird, ist in den letzten Jahren angestiegen, seit 2018 sinkt diese wieder. 2018 liegt die EEG-Umlage bei 6,79 Cent pro Kilowattstunde.23

Ob mit oder ohne Energiewende: in den nächsten Jahren müssten 40 Prozent der fossilen Kraftwerke in Deutschland aus Altersgründen ersetzt oder saniert werden. Daher ist es sinnvoll, die dafür nötigen Gelder in ein nachhaltiges und langfristig günstigeres Energieversorgungssystem zu investieren.

Die Erneuerbaren Energien verursachen wesentlich weniger gesellschaftliche Kosten und sind aus preislicher Sicht wettbewerbsfähig.


Quelle: BWE: Wind bewegt, 2018

Regionen

«Die Nutzung der dezentralen Windenergie trägt dazu bei, häufig strukturschwache und ländliche Regionen in Thüringen aufzuwerten.»

In Zeiten großer, konventioneller Kraftwerksnutzung zentrierten sich die Energieproduktionserträge in einzelnen, wirtschaftlich starken Regionen. Im Gegensatz dazu wird Windstrom an vielen verschiedenen Standorten sprich dezentral erzeugt. Durch diese regionale Verteilung stärkt sie die Wertschöpfung quer durch den Freistaat: Erstens entstehen beim Bau und Betrieb von Windenergieanlagen Arbeitsplätze. Zweitens im Falle von Bürgerwindparks gehen Aufträge für Wegebau, Fundamente oder Service-Dienstleistungen häufig an Firmen aus der Region. Schließlich stärkt die regionale Verteilung die Landbesitzer, zumeist landwirtschaftliche Betriebe, für die die Errichtung von Windrädern ein sicheres zweites Standbein ist.24

Zudem bleiben die Pachteinnahmen überwiegend in den Regionen und stärken die Kaufkraft vor Ort. Seit 2009 fließen 70 Prozent der Gewerbesteuer an die Gemeinde, in der die Anlage steht (Standortgemeinde) und 30 Prozent an die Gemeinde am Sitz der Betreibergesellschaft. Auch die direkt an die Windparks angrenzenden Ortsteile können z. B. durch Gründung von Fördervereinen oder Stiftungen finanziell unterstützt werden. Gerade in strukturschwachen Regionen sind dies wichtige Einnahmen, die beispielsweise in den Ausbau von Breitbandnetzen, den öffentlichen Wegebau oder Investitionen in Kindergärten fließen.25


Quelle: BWE: Wind bewegt, 2018

Stromversorgung

«Zum Halbjahr 2018 erzeugten in Thüringen 863 Windräder mit insgesamt 1.573 Megawatt Leistung sauberen Windstrom. Die Windenergie trägt den größten Anteil Erneuerbaren Stroms in Thüringen bei.»26

Die Windenergieanlagen erzeugen in den Winter- und Frühlingsmonaten besonders viel Strom. Sie ergänzen damit sehr gut den Jahreslastgang aus Solaranlagen mit hoher Einspeisung in den Sommermonaten. Auch Biogasanlagen oder Wasserkraftwerken kommt eine wichtige Rolle zu, denn diese können immer dann eingesetzt werden, wenn die Stromnachfrage z. B. durch mangelnde Sonne oder Wind nicht vollständig gedeckt werden kann. Versorgungsengpässe sind dadurch verlässlich umgehbar.

Für die neue Erzeugungslandschaft rund um Erneuerbare Energien braucht es jedoch mehr und mehr ein „intelligentes“ Stromnetz, um Erzeugung und Verbrauch bedarfs- und verbrauchsorientiert aufeinander abzustimmen. Neu sind so genannte „Smart Grids“, die die Kommunikation aller Energieerzeuger, aller Energiespeicher und aller Energieverbraucher miteinander sicherstellen.

Verbunden über das Glasfasernetz können bspw. große Stromverbraucher eingeschaltet werden, wenn besonders viel Wind weht.


Quelle: BWE: Wind bewegt, 2018

Ansprechpartner

Frank Groß

Bundesverband WindEnergie e.V., Landesverband Thüringen

Landesvorsitzender Thüringen
Telefon: 036781 259082
E-Mail: info@windenergie-thueringen.de

Jana Liebe

Thüringer Erneuerbare Energien Netzwerk (ThEEN) e.V.

Geschäftsführerin
Telefon: 0361 663 82 280
E-Mail: info@windenergie-thueringen.de

 

Ramona Rothe (ehem. Notroff)

Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur (ThEGA) GmbH

Leiterin Servicestelle Windenergie
Telefon: 0361 5603-214
E-Mail: info@windenergie-thueringen.de

 

Partner

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Unsere Partner

Logo Abo Wind

Firmenname: 
ABO Wind
Firmensitz in Thüringen: 
keinen Firmensitz in Thüringen; Volmerstraße 7b, 12489 Berlin
Anzahl Mitarbeiter in Thüringen:
8
Anzahl und Leistung installierter Windenergieanlagen in Thüringen:
-
Webseite: 
www.abo-wind.de

 

Firmenname: 
BOREAS Energie GmbH
Firmensitz in Thüringen: 
Hauptstraße 60, 99955 Herbsleben
Anzahl Mitarbeiter in Thüringen:
27
Anzahl und Leistung installierter Windenergieanlagen in Thüringen:
21 WEA; 487 MW
Webseite: 
www.boreas.de

Firmenname: 
Enercon
Firmensitz in Thüringen: 
Passauer Straße 9, 99867 Gotha
Anzahl Mitarbeiter in Thüringen:
ca. 285
Anzahl und Leistung installierter Windenergieanlagen in Thüringen:
266 WEA mit insgesamt 462MW
Webseite: 
www.enercon.de

Logo Energie Kontor

Firmenname: 
Energiekontor AG
Firmensitz in Thüringen: 
keinen Firmensitz in Thüringen; Mary-Somerville-Straße 5, 28359 Bremen
Anzahl Mitarbeiter in Thüringen:
194 (insgesamt)
Anzahl und Leistung installierter Windenergieanlagen in Thüringen:

Webseite: 
www.energiekontor.de

Logo Energiequelle

Firmenname: 
Energiequelle GmbH
Firmensitz in Thüringen: 
Anger 22,99084 Erfurt
Anzahl Mitarbeiter in Thüringen:
12
Anzahl und Leistung installierter Windenergieanlagen in Thüringen: 
17 Anlagen; 25,8 MW
Webseite: 
www.energiequelle.de

Firmenname: 
Innogy
Firmensitz in Thüringen:
keinen Firmensitz in Thüringen; Opernplatz 1, 45128 Essen
Anzahl Mitarbeiter in Thüringen:
- (3 Mitarbeiter mit Thüringen-Bezug)
Anzahl und Leistung installierter Windenergieanlagen in Thüringen:
- (150MW in Planung)
Webseite: 
www.innogy.com/windkooperationen
iam.innogy.com/ueber-innogy

Firmenname: 
Juwi
Firmensitz in Thüringen: 
keinen Firmensitz in Thüringen; Niederlassung Brandis, Am Alten Flugplatz 1, 04821 Brandis 
Anzahl Mitarbeiter in Thüringen:
2
Anzahl und Leistung installierter Windenergieanlagen in Thüringen:
8 (4 WEA im Bau); 24,4 MW (14.4 MW im Bau)
Webseite:

Firmenname: 
meridian Neue Energien GmbH
Firmensitz in Thüringen: 
Schützenstraße 2, 98527 Suhl
Anzahl Mitarbeiter in Thüringen:
30
Anzahl und Leistung installierter Windenergieanlagen in Thüringen: 
41, ca. 102 MW
Webseite: 
www.meridian-energy.de​​​​​​​

Firmenname: 
NATURSTROM AG
Firmensitz in Thüringen:
Erfurt
Anzahl Mitarbeiter in Thüringen:
10
Anzahl und Leistung installierter Windenergieanlagen in Thüringen:
2 WEA mit insgesamt 1,7 MW
Webseite:
www.naturstrom.de

Firmenname: 
OSTWIND Erneuerbare Energien GmbH
Firmensitz in Thüringen: 
keinen Firmensitz in Thüringen; Gesandtenstraße 3, 93047 Regensburg
Anzahl Mitarbeiter in Thüringen: 
Direkte Mitarbeiter/innen - 2; Projektentwickler/innen mit direktem Thüringen Bezug - 5
Anzahl und Leistung installierter Windenergieanlagen in Thüringen:

Webseite: 
www.ostwind.de

Firmenname: 
Primus Energie GmbH
Firmensitz in Thüringen: 
keinen Firmensitz in Thüringen; Ziegetsdorfer Straße 109; 93051 Regensburg
Anzahl Mitarbeiter in Thüringen:
-
Anzahl und Leistung installierter Windenergieanlagen in Thüringen: 
8 Anlagen; 24 MW
Webseite: 
www.primus-energie.de

Firmenname: 
Sabowind GmbH 
Firmensitz in Thüringen: 
keinen Firmensitz in Thüringen; Frauensteiner Straße 118, 09599 Freiberg
Anzahl Mitarbeiter in Thüringen:
-
Anzahl und Leistung installierter Windenergieanlagen in Thüringen: 
10 Anlagen; 19 MW
Webseite: 
www.sabowind.de

Firmenname: 
UKA Erfurt Projektentwicklung
Firmensitz in Thüringen: 
Maximilian-Welsch-Straße 2a, 99084 Erfurt
Anzahl Mitarbeiter in Thüringen:
15
Anzahl und Leistung installierter Windenergieanlagen in Thüringen:
-
Webseite: 
www.uka-gruppe.de​​​​​​​

Firmenname: 
Windkraft Thüringen GmbH & Co. KG
Firmensitz in Thüringen: 
Schwerborner Straße 30, 99067 Erfurt
Anzahl Mitarbeiter in Thüringen:
10
Anzahl und Leistung installierter Windenergieanlagen in Thüringen:
20 Anlagen; 59 MW
Webseite: 
www.windkraftthueringen.de