Fakten und Positionen

Wind & Mensch

Rahmen und Recht

«Vielfältige gesetzliche Rahmenbedingungen wie die Lärmschutzrichtlinie, Abstands- und Immissionsschutzregelung sowie diverse technische Lösungen steigern die Akzeptanz in der Bevölkerung.»

Angst vor einem ungesteuerten Zubau brauchen Bürger nicht zu haben, denn auch in Zukunft werden nicht mehr als ein Prozent der Thüringer Landesfläche als Windstandorte genutzt werden. Dies wird zukünftig im Thüringer Klimaschutzgesetz geregelt. Als Standort kommt zudem nur in Frage, was in den vier Regionalplänen Thüringens als Vorranggebiet für Windenergie ausgewiesen wurde und einer ausführlichen Prüfung standhält. Für Windenergieanlagen in Thüringen bis einschließlich 150 m Gesamthöhe wird ein Abstand von mindestens 750 m, bei über 150 m Höhe mindestens 1.000 m Abstand zur Wohnbebauung empfohlen. Neben den Abständen zu Wohngebieten und Verkehrswegen, Gewässern, Natur- und Landschaftsschutzgebieten, Militärbasen, Flughäfen oder denkmalgeschützten Bauwerken müssen die lokalen Windverhältnisse stimmen. 1

Windräder in der Nähe von Wohngebieten können aufgrund von optischen Reizen gelegentlich als störend empfunden werden. Die roten Blinklichter (Befeuerung) an den Windenergieanlagen sind Pflicht, um Flugzeuge und Helikopter vor Hindernissen dieser Art zu warnen. Derzeit sind diese bei Dunkelheit dauerhaft aktiv. In vielen Windparks gehen die Lichter aber nur noch an, wenn es auch tatsächlich nötig ist. Radarsensoren überwachen dort die Umgebung der Windenergieanlagen und stellen eine bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung sicher. Bis 2021 sollen bestehende Windparks die bedarfsgerechte Befeuerung nachrüsten, wenn sie nicht in wirtschaftlicher Hinsicht zu klein dazu sind. 2  3 


Quelle: BWE: Wind bewegt, 2018

Bürger und Beteiligung

«Bürger konsumieren nicht nur sauberen Strom, sie produzieren ihn inzwischen selbst.»

Laut der Forsa-Studie „Stimmungsbild Windkraft in Thüringen“ im Jahr 2018 sehen 73% der über 1.000 Befragten die Nutzung und den Ausbau von Windenergieanlagen im Binnenland als „sehr“ bzw. „eher“ wichtig in Thüringen. Befindet sich in Wohnortnähe (in 600 – 5.000m Entfernung) ein Windrad, so sinkt dieser Anteil auf 68%. Mehr als die Hälfte der Befragten, in deren Wohnortnähe sich bisher keine Windräder befinden, haben gegenüber einem Neubau weniger große oder gar keine Bedenken. Besonders jüngere Menschen äußern weniger Bedenken. 4

Bürger können sich formell (z.B. obligatorische Bürgerbeteiligungen) sowie informell (z.B. Webseiten, Diskussionsrunden, Konferenzen) an Verfahren beteiligen. Zudem ist eine finanzielle Teilhabe möglich. Dabei wird zwischen der aktiven und passiven Teilhabe an Windenergieprojekten unterschieden. Die Beteiligung und Teilhabe der Bürger schafft neben der regionalen Wertschöpfung Akzeptanz und Unterstützung für Windparks in Thüringen.


Quelle: BWE: Wind bewegt, 2018


Weiterführende Links:

www.buergerenergie-thueringen.de

Arbeitsplätze

«Im Jahr 2016 waren deutschlandweit rund 160.000 Menschen, in Thüringen 3.000 5 direkt oder indirekt in der Windbranche beschäftigt – darunter Ingenieure, Techniker, Mechaniker, Planer und Logistiker. Weltweit arbeiten sogar 1,16 Millionen Menschen im Bereich Windenergie 6

Die Windenergie ist zu einem unverzichtbaren Arbeitgeber geworden. Die Zahl der Beschäftigten in Deutschland hat sich zwischen 2006 und 2016 mehr als verdoppelt. Doch die Politik hat eine große Verantwortung, dass diese Arbeitsplätze erhalten bleiben. Nachdem bereits im vergangenen Jahr verschiedene Unternehmen aus der Branche unpopuläre Maßnahmen zum Beschäftigtenabbau treffen mussten, setzt sich dieser Trend auch im Sommer 2018 fort.

Hauptsächlich betroffen sind neben den Herstellern von Windenergieanlagen auch Zulieferunternehmen, bspw. in Ostdeutschland. Aufgrund der positiven Wertschöpfungseffekte ist es umso wichtiger, dass die Industrie politisch verlässliche Rahmenbedingungen schafft und erhält. Beim zukünftigen Ausbau Erneuerbarer Energien sollte der Gesetzgeber daher durch ambitionierte Zielvorgaben Investitions- und Planungssicherheit ermöglichen. 7


Quelle: BWE: Wind bewegt, 2018

Gesundheit

«Verschiedene Studien und Gutachten entkräften die Befürchtung, dass Windräder in der Nähe von Wohngebieten einen Einfluss auf die Gesundheit haben können.»

Laut Studien des Deutschen Naturschutzbundes und verschiedener Landesämter für Umwelt werden in unmittelbarer Nähe von Windrädern nicht ansatzweise gesundheitsschädlich bedenkliche Schallpegel erreicht. Gestützt werden diese Studien von einem Urteil des Verwaltungsgerichtes Würzburg zur Unbedenklichkeit der Schallemissionen von Windenergieanlagen. Auch regelmäßig vor Ort durchgeführte Nachmessungen decken sich mit diesen Einschätzungen. Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit sind daher nach derzeitigem internationalem Kenntnisstand nicht zu erwarten.8

Wie böiger Wind, die Meeresbrandung oder fahrende Autos erzeugen auch Windkraftanlagen Schall mit sehr niedrigen Frequenzen (unter 20 Hertz), sogenannten Infraschall. Diese Frequenzen sind für den Menschen normalerweise nicht wahrnehmbar.

Dennoch befürchten einige Anwohner, dass sie durch Infraschallbelastung krank werden könnten. Obwohl Forscher die vermeintliche Ursache-Wirkung-Beziehung zwischen Windkraft und dem Auftreten von Krankheiten nicht nachvollziehen können, gibt es Menschen, die unter Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Übelkeit leiden. Diese Beschwerden sind real und müssen ernst genommen werden.

Experten führen das sogenannte „Windturbinensymptom“ auf den Nocebo-Effekt zurück. Demnach erkranken Anwohner nicht an akustischen oder optischen Signalen der Windenergieanlage, sondern an der Befürchtung, dass diese gesundheitsschädlich sein könnten. Hier sind weitere Aufklärungsarbeit und Forschung dringend notwendig.9


Quelle: BWE: Wind bewegt, 2018

Wind & Technik

Ökobilanz

«Windenergieanlagen können mit ihrer guten Ökobilanz punkten. Die für die Herstellung, Nutzung und Entsorgungaufgebrachte Energie wird bei modernen Anlagen bereits nach 5 bis maximal 12 Monaten durch die eigene Stromproduktion wieder ausgeglichen.» 10 11

Windenergieanlagen produzieren nicht nur sauberen Strom, auch für ihre Herstellung, Nutzung und Entsorgung muss Energie aufgebracht werden. Dies wird als „energetische Amortisation“ bezeichnet. Eine Windenergieanlage erzeugt während ihrer 20-jährigen Laufzeit bis zu 70 Mal so viel Energie, wie für ihre Herstellung, Nutzung und Entsorgung benötigt wird.

Durch das Recycling der Materialen kann dieser Wert weiter gesteigert werden. Selbstverständlich hängt die energetische Amortisation stets von der Anlagenleistung und –höhe sowie vom Standort ab.

Die nachfolgende Abbildung zeigt beispielhaft, welche Energiemengen für die Herstellung einer Windenergieanlage durchschnittlich aufgewendet werden und wie sie sich auf die einzelnen Komponenten verteilen. 12


Quelle: BWE: Wind bewegt, 2018

Recycling

«Moderne Windenergieanlagen lassen sich fast vollständig recyceln.Etwa 80 bis 90 Prozent der Komponenten einer Windenergieanlage, bezogen auf ihre Gesamtmasse, können wiederverwertet werden.» 13

Windenergieanlagen sind anspruchsvolle Hochtechnologien. Trotzdem stellen der Abbau und das Recycling ihrer Bestandteile keine Probleme dar, wie Unternehmen der Abfallwirtschaft bestätigen. Inzwischen haben Firmen sichere Lösungen gefunden, um Windenergieanlagen zu recyceln und gewinnbringend weiterzuverwenden. Moderne Windräder lassen sich fast vollständig verwerten.

Sie bestehen zu über 80 Prozent aus Stahl und Beton. Die Betonteile des Fundaments finden nach einer Aufbereitung als Recyclingbeton beispielsweise im Straßenbau Verwendung. Die Stahlsegmente gehen vorwiegend als Sekundärstoff zurück ins Stahlwerk.

Einige Bestandteile, wie die Rotorblätter, finden keinen Zweitmarkt und müssen recycelt werden. Das Recycling der Rotorblätter gestaltet sich besonders herausfordernd, aufgrund der Zusammensetzung aus Glasfaserkunststoffen, Kohlefasern und anderen Kunststoffen. Diese führt dazu, dass die thermische Verwertung alter Rotorblätter nur in spezialisierten Betrieben möglich ist.


Quelle: BWE: Wind bewegt, 2018

Stillstehende Anlagen

«Es gibt eine Vielzahl von Gründen warum Anlagen vorübergehend stillstehen wie z.B. Wartung, Tierschutz, problematische Stromeinspeisung.»

Wie der Name der Technologie verrät, sind Windenergieanlagen naturgemäß auf Wind angewiesen. Dass sie in Gebieten mit ausreichend Wind gebaut werden, garantieren etwa Messungen der lokalen Windverhältnisse vor Ort. Wenn Anlagen also vorübergehend stillstehen, hat dies häufig andere Gründe. Vor allem der verschleppte Netzausbau sowie ein Überangebot an konventionellem Strom stehen einer noch effizienteren Nutzung der Windenergie im Weg. Gelegentlich müssen Windenergieanlagen abgeschaltet werden, wenn sie eigentlich am effizientesten arbeiten.

Genauer gesagt dann, wenn bei starkem Wind viel Windstrom ins Netz eingespeist wird. In Zukunft werden diese Fälle abnehmen. Dafür gibt es zwei Gründe. Ein optimiertes und leistungsfähiges Stromnetz wird künftig mehr Windstrom aufnehmen und Angebot und Nachfrage besser miteinander in Einklang bringen können. Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe von Gründen, wieso sich die Rotoren der Windenergieanlagen trotz gutem Windaufkommen teilweise nicht drehen. Zum Teil sind Wartungsarbeiten und Reparaturen der Grund für eine zeitweise Abschaltung. 14

Ein weiterer Anlass kann der Schutz von Vögeln und Fledermäusen zu Brut- und Ausflugzeiten sein.


Quelle: BWE: Wind bewegt, 2018

Repowering

«Das Ersetzen der alten Windräder mit neuen ist mit vielen Vorteilen verbunden. Unter Anderem kann trotz einer Verringerung der Gesamtanlagenanzahl die Stromerzeugung gesteigert werden.»

Damit Thüringen als auch Deutschland seine Klimaschutzziele einhalten können, muss der Anteil der Erneuerbaren Energien am Endenergieverbrauch steigen. Für die Windenergie an Land bedeutet das nicht zwingend eine proportional steigende Anzahl an Windenergieanlagen, sondern den Einsatz einer effizienteren Technologie mit höherem Ertrag.

Unter dem Schlagwort Repowering versteht man das Ersetzen von Altanlagen durch leistungsstärkere Anlagen, die im Laufe der letzten Jahre auch hinsichtlich der Anforderungen optimiert wurden. Ein wichtiger Vorteil ist die Reduktion der Gesamtanlagenanzahl durch das Repowering.

Als Faustregel gilt, dass bei einer Halbierung der Anlagenanzahl eine Verdoppelung der Leistung und eine Verdreifachung des Stromertrags erzielt werden. Der zweite Vorteil ist, dass sich moderne Anlagen sehr viel besser in das elektrische Netz integrieren lassen, denn sie speisen konstanter und in größeren Mengen Strom ein.

Drittens bieten sich Vorteile des Anwohnerschutzes, da die neuen Anlagen durch geringere Umdrehungszahl optisch verträglicher und durch neue Technoligen geräuschärmer sind als die bisherigen Bestandsanlagen.15


Quelle: BWE: Wind bewegt, 2018

Wind & Natur

Klimaschutz

«Die Windenergie leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz in Thüringen.»

Durch den Abbau der Erdressourcen, die fortlaufende Entwaldung und vor allem den Ausstoß von Treibhausgasen hat die Menschheit zu einer beschleunigten Erderwärmung beigetragen ‒ mit dramatischen Folgen. Neben Energiesparmaßnahmen sind die Erneuerbaren Energien das wichtigste Mittel im Kampf gegen den Klimawandel: allein 2017 wurden durch die Nutzung Erneuerbarer Energien 179 Millionen Tonnen Treibhausgas-Emissionen eingespart. 16  17

Der Freistaat Thüringen hat sich zum Ziel gesetzt bis 2040 seinen Eigenbedarf bilanziell durch einen Mix aus 100 Prozent regenerativer Energie zu decken. Bis zum Jahr 2020 sollen 35 Prozent des Endenergieverbrauchs aus Erneuerbaren Energien stammen.18 In Thüringen trägt die Windenergie bisher den größten Anteil Erneuerbaren Stroms bei. Zur Erreichung der notwendigen Klimaschutzziele ist es jedoch noch ein langer Weg. Um die Lücke zu schließen, sollten zusätzliche Erneuerbare-Energien-Anlagen dem Klimaschutz beitragen.


Quelle: BWE: Wind bewegt, 2018

Natur- und Artenschutz

«Wie bei jedem anderen Bauprojekt wird beim Bau von Windenergieanlagen im Planungs- und Genehmigungsprozess sichergestellt, dass die Auswirkungen auf Naturschutz, Artenschutz und Landschaftsbild gering bleiben.»

Nahezu jedes Windparkprojekt wird heutzutage durch Artenschutzuntersuchungen und Umweltverträglichkeitsprüfungen begleitet. Dabei wird gründlich untersucht, ob der geplante Standort geschützte Vogel- und Fledermausarten beherbergt. Auch unbesetzte Vogelhorste müssen in die Betrachtung einbezogen werden, denn es gilt als wahrscheinlich, dass vorübergehend nicht besetzte Brutgebiete und Jagdreviere zu einem späteren Zeitpunkt durch die Tiere neu genutzt werden. Darüber hinaus tragen Windparkprojektierer durch so genannte Ausgleichsmaßnahmen dazu bei, dass etwaige Folgeschäden für Natur und Umwelt minimiert oder gar vollständig kompensiert werden.

Wie umweltschonend Windenergie ist, wird insbesondere im Vergleich zum Braunkohleabbau in Tagebauen deutlich. Dieser verursacht, dass ganze Dörfer umgesiedelt werden, die Landschaft dauerhaft verändert wird und auf lange Zeit unbewohnbar bleibt. Auch nach Rückbau eines Kohlekraftwerks werden Renaturierungsmaßnahmen umgesetzt. Doch im ausgebeuteten Land treten anschließend nicht selten Gewässerbelastungen, Bergschäden oder der Verlust an biologischer Vielfalt auf.


Quelle: BWE: Wind bewegt, 2018

Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen

«Verschiedene Maßnahmen stellen sicher, dass Eingriffe in die Natur ausgeglichen oder ersetzt werden.»

Die Errichtung von Windenergieanlagen stellt einen Eingriff in die Natur dar. Daher müssen Folgen für die lokale Tier- und Pflanzenwelt genauestens beurteilt werden. Der Bundesnaturschutz definiert rechtliche Standards für Eingriffe in die Natur und zum Schutz wilder Tiere.21

Viele sinnvolle Maßnahmen, vom Rückbau ungenutzter Gebäude bis hin zur Gewässerrenaturierung, konnten in Thüringen bereits umgesetzt werden. Hiervon profitiert nicht nur die Tierwelt. Die Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, welche im Zuge der Errichtung von Windenergieanlagen erbracht werden müssen, werden häufig in Abstimmung und Zusammenarbeit mit den Gemeinden und den Naturschutzbehörden erarbeitet und umgesetzt. So entstanden in Thüringen etwa naturnahe und artenreiche Grünflächen in Wetzdorf, Pölzig und Westernegel; hochwertige Feuchtbiotope in Wangenheim und Tanna oder auch eine neu angelegte Festwiese mit Osterfeuerplatz in Großberndten.

Außerdem wird in Aufforstungen und die Entwicklung neuer Nahrungshabitate für Vogelarten investiert. Zudem haben Maßnahmen zum Fledermäusen- und Vogelschutz vereinzelt dazu geführt, dass die Lebensbedingungen der Tiere sogar aufgewertet wurden und ihre Population parallel zum Ausbau der Windenergie gewachsen ist.22

Ausgleichsmaßnamen umsetzen – so geht´s
Quelle: ThEGA, 2017


Quelle: BWE: Wind bewegt, 2018

Wind & Wirtschaft

Kosten

«Stromerzeugung kostet Geld, egal ob fossil mit Kohle und Gas oder erneuerbar mit Wind und Sonne. Dennoch ist das Angebot an Wind endlos und verursacht im Vergleich deutlich weniger gesellschaftliche Kosten.»

Dank der bisherigen Investitionen, vor allem durch das Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG), sind die Preise für Windenergie in Deutschland auf das Niveau der fossilen Energieträger gesunken, die ebenfalls seit Jahrzenten steuerlich unterstützt wurden. Anders als die Kosten der fossilen Energien, die weitreichende externe Folgekosten für Mensch und Umwelt verursachen, werden die Kosten für die Erneuerbaren Energien auf der Stromrechnung transparent ausgewiesen: mit der EEG-Umlage.

Diese Umlage, die von privaten Verbrauchern sowie kleinen und mittleren Unternehmen als Zuschlag auf den Strompreis bezahlt wird, ist in den letzten Jahren angestiegen, seit 2018 sinkt diese wieder. 2018 liegt die EEG-Umlage bei 6,79 Cent pro Kilowattstunde.23

Ob mit oder ohne Energiewende: in den nächsten Jahren müssten 40 Prozent der fossilen Kraftwerke in Deutschland aus Altersgründen ersetzt oder saniert werden. Daher ist es sinnvoll, die dafür nötigen Gelder in ein nachhaltiges und langfristig günstigeres Energieversorgungssystem zu investieren.

Die Erneuerbaren Energien verursachen wesentlich weniger gesellschaftliche Kosten und sind aus preislicher Sicht wettbewerbsfähig.


Quelle: BWE: Wind bewegt, 2018

Regionen

«Die Nutzung der dezentralen Windenergie trägt dazu bei, häufig strukturschwache und ländliche Regionen in Thüringen aufzuwerten.»

In Zeiten großer, konventioneller Kraftwerksnutzung zentrierten sich die Energieproduktionserträge in einzelnen, wirtschaftlich starken Regionen. Im Gegensatz dazu wird Windstrom an vielen verschiedenen Standorten sprich dezentral erzeugt. Durch diese regionale Verteilung stärkt sie die Wertschöpfung quer durch den Freistaat: Erstens entstehen beim Bau und Betrieb von Windenergieanlagen Arbeitsplätze. Zweitens im Falle von Bürgerwindparks gehen Aufträge für Wegebau, Fundamente oder Service-Dienstleistungen häufig an Firmen aus der Region. Schließlich stärkt die regionale Verteilung die Landbesitzer, zumeist landwirtschaftliche Betriebe, für die die Errichtung von Windrädern ein sicheres zweites Standbein ist.24

Zudem bleiben die Pachteinnahmen überwiegend in den Regionen und stärken die Kaufkraft vor Ort. Seit 2009 fließen 70 Prozent der Gewerbesteuer an die Gemeinde, in der die Anlage steht (Standortgemeinde) und 30 Prozent an die Gemeinde am Sitz der Betreibergesellschaft. Auch die direkt an die Windparks angrenzenden Ortsteile können z. B. durch Gründung von Fördervereinen oder Stiftungen finanziell unterstützt werden. Gerade in strukturschwachen Regionen sind dies wichtige Einnahmen, die beispielsweise in den Ausbau von Breitbandnetzen, den öffentlichen Wegebau oder Investitionen in Kindergärten fließen.25


Quelle: BWE: Wind bewegt, 2018

Stromversorgung

«Zum Halbjahr 2018 erzeugten in Thüringen 863 Windräder mit insgesamt 1.573 Megawatt Leistung sauberen Windstrom. Die Windenergie trägt den größten Anteil Erneuerbaren Stroms in Thüringen bei.»26

Die Windenergieanlagen erzeugen in den Winter- und Frühlingsmonaten besonders viel Strom. Sie ergänzen damit sehr gut den Jahreslastgang aus Solaranlagen mit hoher Einspeisung in den Sommermonaten. Auch Biogasanlagen oder Wasserkraftwerken kommt eine wichtige Rolle zu, denn diese können immer dann eingesetzt werden, wenn die Stromnachfrage z. B. durch mangelnde Sonne oder Wind nicht vollständig gedeckt werden kann. Versorgungsengpässe sind dadurch verlässlich umgehbar.

Für die neue Erzeugungslandschaft rund um Erneuerbare Energien braucht es jedoch mehr und mehr ein „intelligentes“ Stromnetz, um Erzeugung und Verbrauch bedarfs- und verbrauchsorientiert aufeinander abzustimmen. Neu sind so genannte „Smart Grids“, die die Kommunikation aller Energieerzeuger, aller Energiespeicher und aller Energieverbraucher miteinander sicherstellen.

Verbunden über das Glasfasernetz können bspw. große Stromverbraucher eingeschaltet werden, wenn besonders viel Wind weht.


Quelle: BWE: Wind bewegt, 2018