Windenergie immer wichtiger für Versorgungssicherheit

Interview mit Dr. Matthias Sturm, TEAG AG

Der bevorstehende Ausstieg aus Kernkraft und Kohle sorgt in den nächsten Jahren für eine riesige Herausforderung.

Die Energiewirtschaft muss mit einem völlig neuen Mix aus regenerativen Energien die Versorgungssicherheit gewährleisten. Veränderungen, die zu Verunsicherung, zum Teil auch Ablehnung führen. Die folgenden Fragen beantwortet Dr. Matthias Sturm, er ist verantwortlich für den Geschäftsbereich Unternehmensentwicklung und Kommunikation bei der TEAG Thüringer Energie AG.


Wie wichtig ist der Ausbau der Windenergie für unsere Versorgungssicherheit?

Immer wichtiger. Nach Einschätzungen der Übertragungsnetzbetreiber kommt das Energiesystem zukünftig ohne Kohle- und Atomkraftwerke aus. Dafür werden jedoch etwa 250 Gigawatt (GW) regenerative Energieleistung benötigt - davon rund 120 GW aus Windenergie.

Die Windenergie wird demnach mit ca. 1/6 der installierten Leistung einen wertvollen Betrag zur gesicherten Grundlast leisten.


Welchen Anteil hat die Windenergie heute bereits an dem angebotenen Strom-Mix der TEAG?

Der Anteil der Windenergie am TEAG-Gesamtstrom-Mix liegt bei etwa 26%. Der durch die TEAG vertrieblich abgesetzte Strom wird zu 62% aus erneuerbaren Quellen gewonnen, wovon 52% an der Börse eingekaufter EEG-Strom ist, dieser besteht in Deutschland zurzeit etwa zur Hälfte aus Windenergie.


Wo sehen Sie Hemmnisse für die Windenergienutzung, die wir überwinden sollten und wie kann dies geschehen?

Problematisch ist die Dauer der Aufstellungsprozesse der letzten Regionalpläne, bei denen die Planungsgemeinschaften häufig über den festgelegten Bearbeitungszeiten liegen und vermehrt Anträge auf Fristverlängerung stellen. Hier sollte es einen verbindlichen Zeitrahmen für die Aufstellung der Pläne sowie eine Straffung des Prozesses geben, um auch die Ziele des Thüringer Klimagesetzes fristgerecht einhalten zu können.

Zudem ist mehr Akzeptanz der Bürger*innen vor Ort notwendig, die durch eine breite projektbezogene Beteiligung von Kommunen und Bürger*innen vor Ort erreicht werden kann. Außerdem sollten Informationskampagnen über die in den Medien kursierenden Fehlinformationen aufklären.


Was tun Sie als Energieversorger, um die Akzeptanz in der Bevölkerung für Windenergie zu erhöhen?

Wir bieten den Bürger*innen und Kommunen unterschiedliche Beteiligungsmöglichkeiten an: Die Kommunen erhalten für kommunale Flächen, auf denen Windenergieanlagen installiert sind, neben Pacht, Gewerbesteuer und Wegenutzungsentgelt, zusätzlich auch ein kommunales Entgelt pro eingespeiste Kilowattstunde (kWh). Optional ist die Beteiligung der Kommunen via Festzins-Anleihe oder am Eigenkapital der jeweiligen Wind-Projekt-GmbH möglich. Außerdem bieten wir direkte Bürgerbeteiligungen (z.B. am Kapital mit Festzins-Anleihen) oder einen Strompreis-Nachlass sowie Boni für Bürger und Anlieger in einem Umkreis von einem bis fünf Kilometer um die Anlage an.