Aktuelle Themen

Flaute im Windpark - Energiewende in Gefahr

"Exakt - Die Story" nimmt die wachsenden gesellschaftlichen Konflikte rund um die Windenergie in den Blick und fragt nach, was deren Zuspitzung für die Energiewende in Thüringen bedeutet.
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Repowering - Handlungsempfehlungen für den Weiterbetrieb von Windenergieanlagen in Thüringer Kommunen

In den kommenden Jahren fallen in Thüringen etwa 200 Windenergieanlagen (WEA) nach einem Zeitraum von 20 Jahren oder mehr aus der EEG-Förderung heraus. Es muss daher zeitnah geprüft werden, wie mit diesen Anlagen weiter umzugehen ist. Ein sorgfältiger Abwägungsprozess sollte vor einer Entscheidung über Rückbau, Ersatz durch neue Anlagen (Repowering) oder dem Weiterbetrieb ohne Förderung stehen.

Kommt man zu dem Ergebnis, dass Anlagen nicht wirtschaftlich weiterbetrieben werden können, und ruft man sich zugleich die Ausbauziele von Bund und Land vor Augen, wird schnell deutlich, dass Handlungsbedarf im Bereich des Repowering besteht. Ansonsten könnte es unter den aktuellen Rahmenbedingungen, völlig im Widerspruch zu den gesetzten Ausbauzielen, nach 2020 sogar zu einem Rückbau der installierten Windenergieleistung im Freistaat Thüringen kommen. Interesse am Repowering von Standorten besteht auch in Thüringen nicht nur bei den jeweiligen Anlagenbetreibern, sondern auch bei den Anwohnern, Grundstückseigentümern und Kommunen, denn Repowering bringt auch eine Erhöhung der regionalen Wertschöpfung zum Wohle aller mit sich.

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Einfluss der Windenergie auf das weltweite Insektensterben zu vernachlässigen

Eine englischsprachige Veröffentlichung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hatte die mediale Aufmerksamkeit in den vergangenen Tagen auf einen vermeintlichen Zusammenhang zwischen Windenergienutzung und dem Rückgang von Insektenbeständen gelenkt. In einem ausführlichen Infopapier nimmt der Bundesverband WindEnergie (BWE) die Aussagen der Studie unter die Lupe und vergleicht den Beitrag der Windenergie zum Insektenrückgang mit dem Einfluss anderer menschengemachter Einflussfaktoren. Fest steht: Der Einfluss der Windenergie auf die Insektenpopulationen ist zu vernachlässigen.

Bereits in einer kurzfristig veröffentlichten Pressemitteilung hatte der BWE auf die methodischen Schwächen der DLR-Veröffentlichung hingewiesen. In einem ausführlichen Hintergrundpapier werden nun weitere Informationen zum Thema Insektensterben aufbereitet dargestellt. Darüber hinaus werden die Kernaussagen der DLR-Veröffentlichung zusammengefasst, im Licht anderer wissenschaftlicher Erkenntnisse bewertet und durch eine BWE-Positionierung abgerundet.

„Schaut man sich die eigentlichen Gründe für das Insektensterben in Deutschland an, ist die Windenergie zu vernachlässigen. Stattdessen wird schnell klar, dass die immer intensivere Landbewirtschaftung u.a. durch den Einsatz von Pestiziden, Herbiziden und Düngemittel sowie durch die Zunahme von Monokulturen die Hauptursache des Bestandsrückgangs darstellt. Wer Insekten schützen will, sollte hier den Hebel ansetzen. Das bestätigen auch die Ergebnisse des Internationalen Insektenschutzsymposiums 2018“, kommentiert Wolfram Axthelm, Geschäftsführer Bundesverband WindEnergie anlässlich der Veröffentlichung des BWE-Infopapiers.

In der vergangenen Woche hatten sich neben dem BWE auch einige entomologische Fachexperten zu Wort gemeldet, die die Ergebnisse der DLR-Studie in Zweifel zogen. Sie verwiesen darauf, dass eine Analyse der Tötungszahlen die falsche Herangehensweise sei. Stattdessen sei es wichtig, geeignete Lebensräume für Insekten zu schaffen und zu schützen. Mit diesen Lebensräumen sei eine Stabilisierung der fortpflanzungsfreudigen Insektenpopulationen möglich.

„Windenergieprojekte schaffen schon heute durch naturnahe Kompensations- und Ausgleichsflächen neue Lebensräume für bedrohte Tier-, Pflanzen und Insektenarten. Gleichzeitig haben die in Deutschland installierten Windenergieanlagen alleine im Jahr 2018 CO2-Emissionen in Höhe von 72 Millionen Tonnen eingespart. Die deutsche Windenergie erbringt einen nachhaltigen Beitrag zum Klimaschutz und unterstützt so die Populationserhaltung auch im Bereich der Insekten“, macht Wolfram Axthelm erneut deutlich.

(Quelle: BWE)

Infopapier zu Windenergie und Insekten

  • Die Insektenbestände in Deutschland nehmen seit Jahrzenten ab. Als Hauptgründe dafür gelten die intensive Form der Landbewirtschaftung sowie die verstärkte Flächenversiegelung durch menschliche Infrastruktur.
  • Insekten erfüllen eine wichtige Rolle in nahezu allen Ökosystemen. Über ihre Artenvielfalt und ihre Populati-on in Deutschland besteht dennoch kein gesichertes Wissen.
  • Mit einer Veröffentlichung von Dr. Franz Trieb im Namen des Deutschen Instituts für Luft- und Raumfahrt (DLR) wird erstmals die Windenergie als ein möglicher Faktor für den Rückgang der Insektenbestände be-nannt.
  • Der BWE weist die Ergebnisse der DLR-Veröffentlichung entschieden zurück. Sie stützt sich auf unwissen-schaftliche Quellen, basiert auf methodisch willkürlichen Annahmen, blendet andere Einflussfaktoren aus und ist empirisch nicht abgesichert.

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Aktuelles Interview

Energie aus und für Thüringen

Hochschule Nordhausen: Den Erneuerbaren gehört die Zukunft

Die Energiewende gehört zu den großen Herausforderungen unserer Zeit. Viele Fragen sind noch ungelöst, während die Restlaufzeiten der Atomkraftwerke immer kürzer werden. Landauf, landab diskutieren Experten über intelligente Speicher- und Energieverteilungslösungen, aber auch über die Anteile der jeweiligen regenerativen Energien am künftigen Energiemix. Diese sollen in Thüringen nach dem Willen der Landesregierung in den nächsten Jahren deutlich ausgebaut werden, allen voran die Windenergie.

Prof. Dr.-Ing. Viktor Wesselak ist Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule Nordhausen. 

Wenn man die verschiedenen regenerativen Energieerzeugungen vergleicht - was spricht aus Ihrer Sicht für die Windenergie?

Nun, da gibt es eine Reihe von Gründen. Windkraft wird zusammen mit der Photovoltaik den Kern unseres zukünftigen Energiesystems darstellen. Die beiden Energiearten ergänzen sich ziemlich gut: in Wochen in denen wenig Sonne scheint, haben wir häufig ein erhöhtes Windaufkommen und umgekehrt. Darüber hinaus haben Windenergieanlagen allgemein eine gute Ökobilanz und werden immer günstiger. Man muss auch kein Großkonzern sein, um den Bau einer Windkraftanlage zu stemmen. Kommunale Initiativen oder Genossenschaften ermöglichen es oft den Anrainern eines Windparks selbst unternehmerisch tätig zu werden.

Und dann haben wir natürlich - wie bei allen dezentralen Energien - noch den Faktor Arbeitsplätze. Obwohl wir in Sachen Windenergie noch am Anfang stehen, beschäftigt sie schon heute allein in Thüringen 3000 Menschen!

Schon jetzt hat die Windenergie den größten Anteil an der regenerativen Energieproduktion im Freistaat. Wieviel trägt Wind insgesamt zum Bedarf bei und welches Potential sehen Sie hier in Thüringen?

In Thüringen sind derzeit insgesamt 863 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von über 1.500 MW in Betrieb. Damit können über 650.000 Durchschnittshaushalte mit Strom versorgt werden. Das klingt erst einmal gut, reicht aber in Zukunft bei weitem nicht aus. Deutschland wird vermutlich im Jahr 2050 etwa viermal soviel Windkraft benötigen wie heute installiert ist. Auch Thüringen hat das Potential dafür - da ist noch eine Menge Luft nach oben – im wahrsten Sinne des Wortes.

 

Warum haben wir denn nicht schon heute mehr Windenergie?

Gute Frage! Die muss man aber an die Politik weiterspielen. Wir rechnen in den nächsten Monaten eher mit einer Stagnation beim Ausbau der Windenergie in Thüringen, da derzeit  zu wenig Vorrangflächen ausgewiesen sind. Die Landesregierung weist mit dem neu verabschiedeten Thüringer Klimaschutzgesetz ein Prozent der Landesfläche als Windvorrangfläche aus. Ich bin gespannt, was passiert – denn im Augenblick haben wir gerade mal ein Drittel davon  für Windenergie genutzt!

Anders als Solarenergie hat Windkraft ein eher schlechtes Image. Woran liegt das?

So schlecht ist das gar nicht. Das wird von Gegnern der Windenergie gerne anders dargestellt. Es stimmt aber nicht. Laut einer aktuellen Forsa-Studie sehen 73% der Thüringer die Nutzung und den Ausbau von Windenergieanlagen im Binnenland als „sehr wichtig“ bzw. „eher wichtig“ an. Befindet sich in Wohnortnähe ein Windrad, sinkt dieser Anteil auf 68%. Mehr als die Hälfte der Befragten, in deren Wohnortnähe sich bisher keine Windräder befinden, haben gegenüber einem Neubau „weniger große“ oder gar „keine Bedenken“. Besonders jüngere Menschen sind da sehr aufgeschlossen. Das sind eigentlich gute Werte, die man aber steigern kann!

Und wie?

Es ist allgemein wichtig, die betroffenen Bürger bei der Planung solcher Anlagen von Anfang an einzubinden. Natürlich gibt es da Diskussionsbedarf und offene Fragen, z.B. wie stark die Geräuschbelästigung in welcher Entfernung ist oder wie groß die Bedrohung für Vögel ist.

Dann lassen Sie uns doch diese Themen der Reihe nach abarbeiten.

Gerne!

Wie ist das mit der Belästigung für die Anwohner?

In Thüringen gibt es ganz klare Richtlinien für die Abstandsregelung. Diese stellt sicher, dass Anwohner im Prinzip nicht belästigt werden. Etwas anders ist es mit der Sicht. Je nach Lage kann es natürlich sein, dass man von seiner Terrasse auf ein Windrad schaut. Das ist – zugegeben – Geschmackssache.

Allerdings erleben wir ja derzeit die Diskussion über den Hambacher Forst, der für die Produktion fossiler Brennstoffe abgeholzt werden soll. Und für Viele  sind die Proteste dort absolut nachvollziehbar. Wir müssen uns als Gesellschaft schon fragen, was uns lieber ist: Sichtbeeinträchtigungen durch Windenergieanlagen oder Bergbaufolgelandschaften eines Braunkohletagebaus. Ganz abgesehen davon, dass wir bei fossilen Energieträgern weiterhin den Klimawandel anheizen.

Wie ist das mit der oft genannten Gefahr für Vögel?

Die Errichtung einer Windenergieanlage stellt einen Eingriff in die Natur dar - gar keine Frage. Und auch hier muss man bei der Wahrheit bleiben und klar sagen: ja, es kommt zu Kollisionen von Vögeln und Windrädern. Verschiedene Gesetze regeln, dass der Artenschutz und im Übrigen auch andere Auswirkungen auf die Natur vor einer Genehmigung intensiv geprüft werden müssen. Bekannte Vogelflugrouten oder Nistplätze bedrohter Arten  sollen  beim Bau von Windenergieanlagen dann gemieden werden.

Generell gilt bei jedem Eingriff, dass entsprechende Ausgleichsmaßnahmen geleistet werden müssen. So hat beispielsweise die Gemeinde Nesse-Apfelstädt als Ausgleich für eine Windenergieanlage aus einem ehemaligen Trinkwasserspeicherbecken eine Überwinterungsstätte für Fledermäuse gemacht.

Hier sehe ich  die Windenergieanlagen-Betreiber in der Pflicht, der betroffenen Bevölkerung das hinreichend zu erklären.

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Das ist das Stichwort: wie können sich besorgte, aber auch interessierte Bürger einbringen und informieren?

Wie schon gesagt: die Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger bei der Energiewende muss von oberster Priorität sein, sonst gelingt das Vorhaben nicht! Gesetzlich vorgeschrieben ist ja, dass die Bevölkerung vor dem Bau von Windenergieanlagen intensiv informiert werden muss – in Form von Informationsveranstaltungen, Bekanntmachungen, etc.  Aber mir ist auch noch ein anderer Punkt wichtig: es gibt ja immer mehr Bürgerwindparks und Energiegenossenschaften. Darüber lässt sich nicht nur Geld investieren sondern auch mitgestalten.

Informationen gibt es außerdem zum Beispiel bei der Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur (ThEGA), die sogar ein Gütesiegel „Faire Windenergie in Thüringen“ verleiht.

An dem Ausbau der Windkraft führt also kein Weg vorbei?

Ohne Windkraft wird das mit der Energiewende nichts. Und ohne Energiewende wird das mit dem Klimaschutz nichts. Und ohne wirksamen Klimaschutz sind unsere jetzigen Diskussionen Kinderkram.

Herr Prof. Wesselak, vielen Dank für das Gespräch.


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